
Mit dem E-Bike-Boom der vergangenen Jahre sind Elektrofahrräder zu einem festen Bestandteil des deutschen Straßenverkehrs geworden. Über 17 Millionen Pedelecs sind mittlerweile im Bestand, sie werden häufiger und über längere Distanzen genutzt als klassische Fahrräder. Doch mit der wachsenden Verbreitung rückt eine unbequeme Frage stärker in den Fokus: Wie sicher sind E-Bikes eigentlich im Vergleich zu unmotorisierten Rädern? Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts geben darauf eine differenzierte, teils besorgniserregende Antwort.
Die Gesamtlage: Mehr Fahrradunfälle, mehr Fahrradtote
Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamts (Destatis) starben im Jahr 2025 insgesamt 462 Radfahrerinnen und Radfahrer bei einem Verkehrsunfall in Deutschland. Damit war jede sechste im Straßenverkehr getötete Person mit dem Fahrrad unterwegs – ein Anteil von 16,4 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der getöteten Radfahrenden um 3,8 Prozent, im Vergleich zu 2015 sogar um 20,6 Prozent.
Insgesamt registrierte die Polizei 2025 rund 96.000 Fahrradunfälle mit Personenschaden. Davon entfielen etwa 67.000 auf Fahrten mit nicht motorisierten Rädern und rund 28.000 auf Pedelecs beziehungsweise E-Bikes.
Der zentrale Befund: Pedelecs treiben die Unfallzahlen
Der eigentliche Treiber der steigenden Fahrradunfallzahlen sind Elektrofahrräder. Während die Zahl der Verunglückten auf klassischen Rädern zwischen 2016 und 2025 um etwa 13 Prozent zurückging, hat sich die Zahl der verunglückten E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrer im gleichen Zeitraum fast versechsfacht – von 3.901 im Jahr 2016 auf heute deutlich höhere Werte.
Noch deutlicher zeigt sich der Trend bei den Todesopfern: 217 der 462 getöteten Radfahrenden im Jahr 2025 waren mit einem Pedelec unterwegs. Damit entfielen erstmals fast die Hälfte, nämlich 47 Prozent, aller Fahrradtoten auf E-Bikes. Zum Vergleich: 2015 waren es lediglich 36 Pedelec-Tote. Das bedeutet mehr als eine Versechsfachung innerhalb von zehn Jahren, mit einem Anstieg von 11 Prozent allein zwischen 2024 und 2025.
Innerorts, wo der Großteil des Radverkehrs stattfindet, zeigt sich das Muster besonders deutlich: 2025 starben dort 285 Menschen auf dem Fahrrad, davon 119 auf einem Pedelec. Das entspricht 42 Prozent aller innerorts getöteten Radfahrenden.
Ist das Pedelec pro Fahrt wirklich gefährlicher?
Ein wichtiger Einwand relativiert diese auf den ersten Blick alarmierenden Zahlen: Die absolute Zunahme der Pedelec-Unfälle und -Toten spiegelt in erster Linie den enormen Bestandszuwachs wider. Der Pedelec-Bestand in Deutschland stieg von rund 2,5 Millionen im Jahr 2015 auf etwa 12,5 Millionen im Jahr 2025 – eine Versechsfachung, die grob mit dem Anstieg der Pedelec-Toten im gleichen Zeitraum korreliert.
Die amtliche Statistik erfasst zudem nicht, wie viele Kilometer mit E-Bikes tatsächlich zurückgelegt werden. Da Pedelecs im Schnitt häufiger und für längere Strecken genutzt werden als unmotorisierte Räder, lässt sich aus den reinen Unfallzahlen nicht ohne Weiteres ableiten, dass ein Pedelec pro gefahrenem Kilometer tatsächlich gefährlicher ist. Fachleute weisen ausdrücklich darauf hin, dass ein höheres Risiko pro Fahrt durch die vorliegenden Daten nicht bewiesen ist.
Dennoch gibt es plausible Gründe, warum Pedelec-Unfälle im Ergebnis oft schwerwiegender ausfallen:
- Höhere Geschwindigkeit: Der elektrische Antrieb unterstützt bis 25 km/h, wodurch Pedelecs im Schnitt schneller unterwegs sind als klassische Fahrräder – mit entsprechend höherer Aufprallenergie bei einem Sturz oder Zusammenstoß.
- Ältere Nutzergruppe: Rund 61,5 Prozent aller tödlich verunglückten Radfahrenden waren 65 Jahre oder älter. Gerade ältere Menschen steigen zunehmend auf E-Bikes um, um länger mobil zu bleiben, sind bei einem Sturz aber körperlich verletzlicher.
- Mangelnde Erfahrung mit der erhöhten Fahrdynamik: Wer von einem klassischen Rad auf ein Pedelec umsteigt, muss sich erst an das veränderte Beschleunigungs- und Geschwindigkeitsverhalten gewöhnen.
Wo passieren die Unfälle?
Auch bei den Unfallorten unterscheiden sich Pedelecs von anderen Zweirädern. Nach Destatis-Daten ereigneten sich 2025 nur 29,9 Prozent der Pedelec-Unfälle mit Personenschaden in Großstädten ab 100.000 Einwohnern – deutlich weniger als bei E-Scootern (49,1 Prozent). Bei unmotorisierten Fahrrädern lag dieser Anteil bei 45,1 Prozent. Das deutet darauf hin, dass Pedelecs im Vergleich zu anderen Zweirädern überdurchschnittlich stark auch außerhalb der großen Städte genutzt werden, etwa im ländlichen Raum oder in kleineren Kommunen, wo längere Pendelstrecken mit E-Unterstützung attraktiver sind.
Wer trägt die Schuld bei Unfällen?
Die meisten Fahrradunfälle mit Personenschaden ereignen sich nicht allein: Bei rund zwei Dritteln der insgesamt 95.794 erfassten Fahrradunfälle war 2025 ein weiterer Verkehrsteilnehmer beteiligt, in fast 70 Prozent dieser Fälle ein Auto. Radfahrende tragen dabei keineswegs immer die Hauptschuld: Bei Unfällen mit anderen Verkehrsteilnehmern wurde ihnen nur in knapp drei von zehn Fällen die Hauptverantwortung zugeschrieben.
Interessant ist auch der direkte Vergleich zwischen Pedelecs und unmotorisierten Rädern bei Kollisionen mit Fußgängern: 2025 gab es 1.038 Unfälle mit Personenschaden zwischen Fußgängern und Pedelec-Fahrenden sowie 3.399 vergleichbare Unfälle mit Fahrrädern ohne Hilfsmotor. Bei den Pedelec-Unfällen kam es dabei etwas häufiger zu Verletzungen: Auf 100 Unfälle entfielen im Schnitt 16 Schwerverletzte und 119 Leichtverletzte, während es bei Unfällen mit Rädern ohne Motor 14 Schwerverletzte und 110 Leichtverletzte pro 100 Unfälle waren. Getötet wurde in beiden Fällen niemand, während es bei Kollisionen mit motorisierten Fahrzeugen naturgemäß anders aussieht.
Fazit: Ein differenziertes Sicherheitsbild
Die Datenlage 2026 zeichnet kein eindeutiges Schwarz-Weiß-Bild. Klar ist: Die absolute Zahl der Pedelec-Unfälle und -Toten steigt deutlich schneller als bei klassischen Fahrrädern, und Elektrofahrräder sind mittlerweile für fast die Hälfte aller tödlichen Fahrradunfälle verantwortlich. Gleichzeitig lässt sich dieser Anstieg zu einem erheblichen Teil durch den massiven Bestandszuwachs und die intensivere Nutzung erklären, ohne dass belastbare Daten zum Risiko pro gefahrenem Kilometer vorliegen.
Für die Praxis bedeutet das: Höhere Geschwindigkeit und ein oft älteres Nutzerprofil erhöhen bei einem Pedelec-Unfall tendenziell die Verletzungsschwere. Wer auf ein E-Bike umsteigt, profitiert daher besonders von einer bewussten Eingewöhnungsphase, angepasstem Tempo in kritischen Situationen und passender Schutzausrüstung wie einem gut sitzenden Helm. Die wachsende Verbreitung von Pedelecs wird die Debatte um Verkehrssicherheit, Radinfrastruktur und Fahrsicherheitstrainings in den kommenden Jahren mit Sicherheit weiter befeuern.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Jedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr 2025 war mit dem Fahrrad unterwegs
- Statistisches Bundesamt (Destatis): 8 Tote und mehr als 1.000 Verletzte pro Tag bei Verkehrsunfällen im Jahr 2025
- Statistisches Bundesamt (Destatis): 38,1 % mehr E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden im Jahr 2025
- Die Versicherer: Statistik: So viele Fahrradunfälle gibt es in Deutschland
- Autohaus.de: Unfallstatistik: Jeder 6. Verkehrstote ein Radfahrer
- Statistiken Aktuell: Fahrradtote 2025 – Pedelec-Risiko Datenmonitor