
Ein kurzer Blick weg, das Rad nur „schnell mal eben“ ungesichert abgestellt – und schon ist es weg. Fahrraddiebstahl gehört in Deutschland zu den häufigsten Eigentumsdelikten und trifft jedes Jahr hunderttausende Radfahrerinnen und Radfahrer. Doch wie viele Räder verschwinden tatsächlich, wie hoch ist die Aufklärungsquote – und in welchen Städten und Regionen ist das Risiko am größten? Ein Überblick über die aktuellen Zahlen.
Wie viele Fahrräder werden in Deutschland gestohlen?
Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden 2025 in Deutschland rund 214.000 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Das ist ein Rückgang von etwa 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr und setzt einen längerfristigen Abwärtstrend fort: 2005 waren es noch fast 400.000 gestohlene Fahrräder, in den Neunzigerjahren teils sogar über 500.000 Fälle pro Jahr.
Auffällig ist dieser Rückgang vor allem im Vergleich zum wachsenden Fahrradbestand: Die Zahl der Fahrräder und E-Bikes in Deutschland ist allein in den vergangenen zehn Jahren um rund 25 Prozent auf mehr als 90 Millionen gestiegen. Das deutet darauf hin, dass Räder heute im Schnitt besser gesichert werden – etwa durch hochwertigere Schlösser, GPS-Tracker oder sicherere Abstellorte.
Wichtig ist dabei die Dunkelziffer: Das Bundeskriminalamt schätzt anhand seiner SKiD-Studie („Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“), dass nur etwa 50 bis 60 Prozent aller Fahrraddiebstähle überhaupt bei der Polizei angezeigt werden. Wer kein wertvolles Rad besitzt oder keine Versicherung hat, verzichtet häufig auf eine Anzeige. Die tatsächliche Zahl der gestohlenen Räder dürfte demnach 2025 eher bei 400.000 oder mehr gelegen haben.
Ein zweiter Blick auf die Versicherungsdaten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigt den rückläufigen Trend: 2025 wurden rund 115.000 versicherte Fahrräder gestohlen, etwa 15.000 weniger als im Jahr zuvor.
Aufklärungsquote bleibt niedrig
So erfreulich der Rückgang der Fallzahlen ist, so ernüchternd bleibt die Erfolgsquote der Ermittlungen. Nur selten werden mehr als 10 Prozent der gestohlenen Räder wiedergefunden oder die Täter gefasst. In manchen Großstädten liegt die Aufklärungsquote sogar noch deutlich darunter, während sie in ländlicheren Regionen und Flächenländern spürbar höher ausfällt. In Thüringen etwa wird knapp jeder sechste Diebstahl aufgeklärt, in Bayern jeder siebte – während Großstädte wie Bremen, Berlin und Hamburg im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen. Ein Berliner Ermittler brachte die Situation einmal auf den Punkt: In vielen Regionen könne die Polizei Fahrraddiebstahl inzwischen „nur noch verwalten“, statt aktiv zu ermitteln.
Wo werden die meisten Fahrräder gestohlen?
Bei der Frage nach den Diebstahl-Hotspots kommt es auf die Betrachtungsweise an: absolute Zahlen oder Diebstähle im Verhältnis zur Einwohnerzahl.
In absoluten Zahlen liegen erwartungsgemäß die Großstädte vorn. Berlin gilt seit Jahren als der Fahrraddiebstahl-Hotspot Nummer eins in Deutschland – schlicht weil hier besonders viele Menschen mit dem Rad unterwegs sind und entsprechend viele Räder im öffentlichen Raum abgestellt werden. Auch Hamburg und München zählen regelmäßig zu den Städten mit den höchsten absoluten Diebstahlzahlen.
Bezogen auf die Einwohnerzahl zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Hier liegen oft mittelgroße Universitätsstädte vorn, in denen besonders viele Studierende mit dem Fahrrad unterwegs sind und Räder häufig über Nacht im Freien stehen. In verschiedenen Auswertungen der vergangenen Jahre tauchten immer wieder dieselben Städte an der Spitze auf: Leipzig, Göttingen, Münster, Halle an der Saale sowie Osnabrück und Cottbus gehörten je nach Erhebungsjahr zu den Städten mit den höchsten Diebstahlraten pro 100.000 Einwohner, teils mit Werten von deutlich über 1.000 gemeldeten Diebstählen pro 100.000 Einwohner.
Auch auf Bundesländerebene zeigt sich ein klares Muster: Die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg gelten traditionell als Hochburgen des Fahrraddiebstahls, während Flächenländer wie Bayern deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Insgesamt konzentrieren sich die Brennpunkte auf den Osten und Norden Deutschlands sowie generell auf urbane Zentren, während ländliche Regionen vergleichsweise sicher für abgestellte Räder sind.
Was macht ein Rad zum attraktiven Ziel?
Mehrere Faktoren erhöhen das Diebstahlrisiko:
- Hoher Wert: E-Bikes und hochwertige Lastenräder kosten häufig 1.000 Euro und mehr, bei E-Antrieb nicht selten über 3.000 Euro. Das macht sie für Diebe besonders lukrativ.
- Unzureichende Sicherung: Ein einfaches Kabelschloss oder ein nur am Vorderrad befestigtes Rad bietet kaum Schutz.
- Abstellort: Fahrräder, die dauerhaft im Freien stehen, insbesondere über Nacht, sind deutlich gefährdeter als Räder in verschlossenen Kellern, Fahrradboxen oder Garagen.
- Anonymität der Großstadt: In dicht besiedelten urbanen Zentren fällt ein Diebstahl im Vorbeigehen seltener auf als in überschaubaren, ländlichen Gemeinden.
Welche Schäden entstehen durch Fahrraddiebstahl?
Neben dem persönlichen Ärger verursacht Fahrraddiebstahl auch finanziell erhebliche Schäden. In der Vergangenheit kamen durch gestohlene Räder regelmäßig Schadenssummen von mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr zusammen, die größtenteils von Hausrat- oder speziellen Fahrradversicherungen getragen werden mussten. Mit dem gestiegenen Anteil hochwertiger E-Bikes am Gesamtbestand dürfte der durchschnittliche Schaden pro Diebstahl in den letzten Jahren eher gestiegen als gesunken sein, selbst wenn die Zahl der Fälle insgesamt zurückgeht.
Fazit
Auch wenn die Zahl der angezeigten Fahrraddiebstähle 2025 mit rund 214.000 Fällen weiter gesunken ist, bleibt das Thema für Millionen Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland relevant. Die Dunkelziffer ist hoch, die Aufklärungsquote niedrig, und Großstädte sowie Universitätsstädte bleiben die Schwerpunkte des Fahrradklaus. Wer sein Rad schützen will, kommt daher kaum an einem hochwertigen Schloss, einem sicheren Abstellort und im Zweifel einer Fahrradversicherung vorbei – besonders bei teureren E-Bikes und Lastenrädern.
Quellen
- Die Versicherer: In diesen Städten werden die meisten Fahrräder geklaut
- GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: Fahrraddiebstahl: Alle Zahlen
- WSM: Fahrraddiebstahl in Deutschland
- Bayernbike: Fahrraddiebstahl
- Verivox Verbraucher-Atlas: Fahrraddiebstahl in Deutschland
- Bussgeldkatalog: Fahrraddiebstahl vermeiden: So schützen Sie Ihr Fahrrad