E-Scooter-Statistik 2026: Kaufen oder Leihen – wer fährt wirklich E-Tretroller?

E-Scooter-Statistik 2026 Kaufen oder Leihen – wer fährt wirklich E-Tretroller

E-Scooter gehören inzwischen zum festen Bild deutscher Innenstädte: Sie stehen an Bahnhöfen, liegen manchmal quer auf dem Gehweg und surren an Fußgängern vorbei. Doch wer nutzt sie eigentlich – und fahren die meisten Menschen einen eigenen Roller oder einen Leihscooter aus der App? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt ein differenziertes Bild: einen Markt, der zwischen privatem Besitz und Sharing-Diensten gespalten ist, stark wächst – und zunehmend auch für Sicherheitsdebatten sorgt.

Wie viele Menschen nutzen E-Scooter in Deutschland?

Die Nutzerzahlen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Laut Marktschätzungen auf Basis von Statista-Daten kletterte die Zahl der E-Scooter-Nutzer in Deutschland von rund 4,4 Millionen im Jahr 2019 auf etwa 9,9 Millionen im Jahr 2022. Für 2025 wurde die Zahl auf rund 12 Millionen Menschen geschätzt, die zumindest gelegentlich einen E-Scooter fahren.

Allein beim Sharing, also der kurzzeitigen Miete über Apps von Anbietern wie Lime, Bolt oder Voi, wird die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland auf rund zehn Millionen pro Jahr geschätzt. Damit ist Deutschland nach den USA der zweitgrößte Markt für E-Scooter-Sharing weltweit, noch vor Frankreich.

Kaufen oder leihen: Wie ist der Markt aufgeteilt?

Die zentrale Frage – Besitz oder Miete – lässt sich anhand der Versicherungsstatistiken für E-Scooter recht gut beantworten, denn jeder zugelassene E-Scooter in Deutschland benötigt ein Versicherungskennzeichen. Die Verteilung hat sich in den letzten Jahren spürbar verschoben:

  • 2022 waren rund 764.000 E-Scooter in Deutschland versichert. Davon entfielen etwa 193.000 auf Leihroller der Sharing-Anbieter – ein Verhältnis von etwa 75 Prozent privat zu 25 Prozent Sharing.
  • Aktuelleren Schätzungen zufolge hat sich das Bild seither weiter verschoben: Rund 55 Prozent der E-Scooter-Nutzer greifen inzwischen überwiegend auf Leihmodelle zurück, während etwa 45 Prozent einen eigenen E-Scooter besitzen.

Die Verschiebung zugunsten der Leihmodelle hängt eng mit dem Ausbau der Sharing-Flotten in den Großstädten zusammen. In Berlin etwa wuchs die Zahl der verfügbaren Leih-E-Scooter von rund 11.000 Fahrzeugen im Jahr 2019 auf etwa 40.900 im Jahr 2022 – fast eine Vervierfachung innerhalb von drei Jahren.

Wer greift eher zum eigenen Roller, wer zur App?

Die beiden Nutzergruppen unterscheiden sich in ihren Motiven deutlich:

Private Käuferinnen und Käufer entscheiden sich meist für den eigenen E-Scooter, weil sie ihn regelmäßig für den Arbeitsweg, die letzte Meile zum Bahnhof oder in der Freizeit nutzen. Ein eigener Scooter rechnet sich vor allem bei häufiger Nutzung, da die Kosten pro Fahrt mit steigender Nutzungsdauer sinken und keine Sharing-Gebühren anfallen.

Sharing-Nutzerinnen und -Nutzer greifen dagegen oft spontan zu, etwa nach einem Restaurantbesuch, für den letzten Kilometer nach dem Feierabend oder als Ergänzung zu Bus und Bahn. Die Penetrationsrate, also der Anteil der Bevölkerung, der Sharing-Dienste zumindest gelegentlich nutzt, wurde für 2025 auf etwa 13,6 Prozent geschätzt. Der Umsatz im deutschen E-Scooter-Sharing-Markt lag 2025 bei geschätzten 190 bis 210 Millionen US-Dollar, wobei sich das Wachstum verlangsamt: Wuchsen die Umsätze 2022 noch um gut 12 Prozent, waren es 2025 nur noch rund 4,7 Prozent.

Wachsende Beliebtheit, wachsendes Risiko

Mit der steigenden Verbreitung rückt auch die Sicherheit von E-Scootern stärker in den Fokus. Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldete für 2025 einen deutlichen Anstieg der Unfallzahlen: Die Polizei registrierte bundesweit 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden – ein Plus von 38,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 11.944 Unfällen. Dabei kamen 38 Menschen ums Leben, nach 27 Todesopfern im Jahr 2024. Zusätzlich wurden 1.895 Personen schwer und 16.184 Personen leicht verletzt.

Einige weitere Details aus der Destatis-Statistik zeichnen ein genaueres Bild:

  • Rund 82,4 Prozent der Verunglückten waren selbst mit dem E-Scooter unterwegs, darunter 33 der 38 Todesopfer.
  • Der Anteil der E-Scooter an allen Verkehrsunfällen mit Personenschaden stieg von 4,1 Prozent im Jahr 2024 auf 5,5 Prozent im Jahr 2025.
  • Mehr als die Hälfte der verunglückten E-Scooter-Fahrerinnen und -fahrer war jünger als 25 Jahre, was auch mit der insgesamt intensiveren Nutzung durch jüngere Altersgruppen zusammenhängt.
  • Als häufigstes Fehlverhalten stellte die Polizei die falsche Nutzung der Fahrbahn fest, gefolgt von Fahrten unter Alkoholeinfluss und nicht angepasster Geschwindigkeit.
  • Rund 30 Prozent aller Unfälle waren Alleinunfälle ohne Unfallgegner. Bei Zusammenstößen mit anderen Verkehrsteilnehmern waren Pkw am häufigsten beteiligt.

Zum Vergleich: Fahrräder sind nach wie vor deutlich häufiger in Unfälle verwickelt. 2025 registrierte die Polizei rund 97.035 Fahrradunfälle mit Personenschaden, was einem Anteil von 32,6 Prozent an allen Unfällen mit Personenschaden entspricht. Dabei starben 462 Menschen. E-Scooter spielen im Unfallgeschehen also weiterhin eine vergleichsweise kleinere, aber schnell wachsende Rolle.

Kaufen oder leihen – was spricht wofür?

Aus den Zahlen lässt sich ein klarer Trend ableiten: Wer den E-Scooter regelmäßig und für feste Strecken nutzt, etwa für den täglichen Weg zur Arbeit oder zur Bahn, tendiert eher zum Kauf eines eigenen Geräts. Wer dagegen spontan, unregelmäßig oder nur gelegentlich in der Stadt unterwegs ist, greift überwiegend auf Sharing-Angebote zurück, ohne sich um Wartung, Akku-Laden oder Diebstahlschutz kümmern zu müssen.

Die steigenden Unfallzahlen betreffen dabei beide Gruppen gleichermaßen. Unabhängig davon, ob der Roller gekauft oder geliehen ist, gelten dieselben Verkehrsregeln, und Faktoren wie richtige Fahrbahnnutzung, angepasste Geschwindigkeit und der Verzicht auf Alkohol am Lenker bleiben die entscheidenden Stellschrauben für mehr Sicherheit.

Fazit

Der deutsche E-Scooter-Markt ist 2026 kein reines Nischenphänomen mehr, sondern ein etabliertes Element der urbanen Mobilität mit rund zwölf Millionen Nutzerinnen und Nutzern. Während sich das Verhältnis zwischen privatem Besitz und Sharing-Nutzung in den vergangenen Jahren zugunsten der Leihmodelle verschoben hat, wächst gleichzeitig ein Problem, das die Branche nicht ignorieren kann: Die Unfallzahlen steigen deutlich schneller als die Nutzerzahlen. Für 2026 dürfte die Debatte um mehr Sicherheit, bessere Verkehrsinfrastruktur und klarere Regeln für E-Scooter daher weiter an Fahrt aufnehmen.


Quellen

Nach oben scrollen