Gravelbikes haben sich in den vergangenen Jahren vom Nischenprodukt zu einer festen Größe auf dem deutschen Fahrradmarkt entwickelt. Die Mischung aus Rennrad, Tourenrad und geländetauglichem Allrounder spricht sowohl sportliche Fahrer als auch Menschen an, die ein vielseitiges Fahrrad für Alltag, Freizeit und längere Touren suchen.
Die aktuellen Marktdaten zeigen: Der Gravelbike-Boom ist tatsächlich messbar. Besonders bei Fahrrädern ohne Motor hat das Gravelbike innerhalb kurzer Zeit deutlich Marktanteile gewonnen. 2026 setzt sich dieser Trend fort.
Gravelbike erreicht 10 Prozent Marktanteil
Die wichtigste Zahl zum Gravelbike-Boom liefert der ZIV. Nach den für 2025 veröffentlichten Marktdaten entfielen 10 Prozent der verkauften Fahrräder ohne Motor auf Gravelbikes.
Damit hat sich der Marktanteil innerhalb nur eines Jahres deutlich erhöht. 2024 lag Gravel noch bei 6,5 Prozent. Gravelbikes konnten damit Jugendräder und ATBs überholen und sich als drittgrößte Modellgruppe etablieren. MTB-News.de
Zum Vergleich:
| Fahrrad-Modellgruppe | Marktanteil 2025 |
|---|---|
| Trekkingrad | 39,5 % |
| City-/Urban-Bike | 14,0 % |
| Gravelbike | 10,0 % |
| Jugendrad | 7,5 % |
| Kinderrad | 7,0 % |
| ATB | 6,5 % |
| Rennrad | 6,5 % |
| MTB | 3,0 % |
| Lastenrad | 2,0 % |
Damit liegt das Gravelbike zwar noch deutlich hinter dem klassischen Trekkingrad, hat aber inzwischen einen größeren Anteil als Rennräder und Mountainbikes im klassischen Fahrradsegment.
Von 6,5 auf 10 Prozent: Das Wachstum ist deutlich
Besonders interessant wird die Entwicklung im Zeitvergleich.
2024 lag der Gravel-Anteil bei 6,5 Prozent. 2025 waren es bereits 10 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um 3,5 Prozentpunkte beziehungsweise einem relativen Wachstum des Marktanteils von rund 54 Prozent.
Das ist für eine einzelne Fahrradkategorie eine bemerkenswerte Entwicklung.
Der ZIV beschreibt gleichzeitig eine zunehmende Beliebtheit sportlicher Fahrräder. Während Trekking- und Cityräder weiterhin den Markt dominieren, gewinnen sportlich orientierte Modelle an Bedeutung. MTB-News.de
Wie viele Gravelbikes werden tatsächlich verkauft?
Eine wichtige Einschränkung gibt es bei der Statistik: Der ZIV veröffentlicht den Gravel-Anteil, aber nicht einfach eine separate absolute Verkaufszahl für Gravelbikes.
2025 wurden in Deutschland insgesamt rund 3,8 Millionen Fahrräder und E-Bikes verkauft. Davon entfielen 47,3 Prozent auf Fahrräder ohne Motor. Das entspricht grob 1,8 Millionen klassischen Fahrrädern. ZIV – Die Fahrradindustrie
Würde man die 10 Prozent Gravel-Anteil überschlägig auf dieses klassische Fahrradsegment anwenden, ergäbe sich eine Größenordnung von rund 180.000 Gravelbikes.
Diese Zahl ist allerdings eine rechnerische Näherung und keine offiziell veröffentlichte Verkaufszahl des ZIV. Die tatsächlichen Verkäufe können je nach Abgrenzung und Datengrundlage abweichen.
Gravelbike überholt Rennrad und MTB
Der Erfolg des Gravelbikes wird besonders deutlich beim Vergleich mit anderen sportlichen Fahrradtypen.
2025 erreichte das Gravelbike laut ZIV einen Anteil von 10 Prozent. Rennräder kamen auf 6,5 Prozent und klassische Mountainbikes auf 3 Prozent. MTB-News.de
Damit ist Gravel inzwischen wesentlich mehr als ein Trend innerhalb der Rennradszene.
Ein Grund dafür ist die Vielseitigkeit. Ein Gravelbike kann auf Asphalt schnell gefahren werden, eignet sich aber gleichzeitig für Schotterwege, Waldwege und längere Touren. Dadurch überschneidet sich sein Einsatzgebiet mit mehreren klassischen Fahrradkategorien.
Warum sind Gravelbikes so erfolgreich?
Das Konzept schließt eine Lücke zwischen Rennrad und Trekking- beziehungsweise Alltagsrad.
Ein typisches Gravelbike kombiniert beispielsweise:
- Rennlenker
- sportliche Sitzposition
- breitere Reifen
- robuste Rahmen
- mehrere Befestigungsmöglichkeiten
- Übersetzungen für Straße und Gelände
- geringes Gewicht
- Eignung für längere Touren
Damit kann ein einziges Fahrrad für verschiedene Zwecke verwendet werden.
Für manche Käufer ersetzt das Gravelbike ein Rennrad und ein zusätzliches Tourenrad. Andere nutzen es als sportliches Alltagsrad.
Gravel ist längst nicht mehr nur ein Nischenprodukt
Noch vor einigen Jahren war das Gravelbike vor allem unter ambitionierten Radsportlern bekannt. Inzwischen ist die Kategorie im Mainstream des Fahrradmarktes angekommen.
Die Entwicklung der Marktanteile verdeutlicht das:
| Jahr | Gravel-Anteil am Fahrradsegment |
|---|---|
| 2021 | gemeinsam mit Rennrädern nur rund 5 % |
| 2024 | 6,5 % |
| 2025 | 10,0 % |
| 2026 | weiter steigende Bedeutung |
Bereits 2025 bezeichnete die Eurobike Gravel als einen der wichtigen Trends des Fahrradmarktes. Für 2024 wurde ein Marktanteil von 6,5 Prozent genannt. Eurobike
Der Sprung auf 10 Prozent im Jahr 2025 zeigt, dass der Trend keineswegs nur kurzfristig ist.
Auch E-Gravelbikes werden wichtiger
Interessant ist außerdem die Entwicklung elektrisch unterstützter Gravelbikes.
Im E-Bike-Markt ist das Segment noch deutlich kleiner. 2025 entfielen laut ZIV etwa 1,5 Prozent der verkauften E-Bikes auf E-Gravelbikes. Damit bleibt das E-Gravelbike eine Nische, konnte seinen Anteil gegenüber dem Vorjahr aber leicht erhöhen. ZIV – Die Fahrradindustrie
Zum Vergleich:
| E-Bike-Modellgruppe | Anteil 2025 |
|---|---|
| E-MTB | 38,0 % |
| E-Trekkingrad | 24,0 % |
| E-Cityrad | 19,0 % |
| E-Lastenrad | 9,5 % |
| E-ATB | 5,0 % |
| E-Gravelbike | 1,5 % |
| E-Rennrad | 0,5 % |
Das E-Gravelbike ist somit noch weit von den Verkaufszahlen der E-Mountainbikes entfernt. Dennoch entwickelt sich die Kategorie positiv.
2026: Gravelbike gewinnt auch im günstigeren Preisbereich
Die Entwicklung setzt sich 2026 fort. In seiner Halbjahresbilanz berichtet der ZIV, dass Gravelbikes zunehmend auch im mittleren und niedrigeren Preissegment an Bedeutung gewinnen. ZIV – Die Fahrradindustrie
Das ist ein wichtiger Punkt für die weitere Verbreitung.
Während Gravelbikes anfangs häufig mit hochwertigen Carbonrädern und entsprechend hohen Preisen verbunden wurden, gibt es mittlerweile zahlreiche Modelle im mittleren Preissegment. Dadurch wird die Kategorie für eine größere Gruppe von Fahrradkäufern interessant.
Der Boom könnte deshalb weniger von einigen wenigen teuren Sportfahrrädern getragen werden, sondern zunehmend von einer breiteren Käuferschicht.
Auch der Gesamtmarkt unterstützt den Trend
Der Gravelboom findet in einem insgesamt schwierigen Fahrradmarkt statt. 2025 ging der deutsche Fahrradmarkt nach Angaben von IFH KÖLN und BBE Handelsberatung auf ein Umsatzvolumen von rund 9,4 Milliarden Euro zurück. Gleichzeitig gehörten Straßensporträder, Gravelbikes und E-Gravelbikes zu den Wachstumstreibern innerhalb des Marktes. BBE Handelsberatung
Das macht die Entwicklung besonders interessant.
Denn Gravel wächst nicht einfach deshalb, weil der gesamte Fahrradmarkt boomt. Vielmehr gewinnt das Segment innerhalb eines sich konsolidierenden Gesamtmarktes an Bedeutung.
Auch EY-Parthenon kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Das Dropbar-Segment erreichte 2025 in Deutschland einen Marktanteil von rund 9 Prozent, wobei insbesondere Gravelbikes die Nachfrage antreiben. EY
Gravelbike statt Rennrad?
Das Gravelbike könnte damit langfristig einen Teil der klassischen Rennrad-Zielgruppe verändern.
Das Rennrad ist auf Geschwindigkeit und Asphalt optimiert. Gravelbikes bieten dagegen mehr Einsatzmöglichkeiten. Für viele Freizeitradler ist diese Flexibilität attraktiv.
Wer beispielsweise am Wochenende 100 Kilometer auf Asphalt fahren möchte, aber unter der Woche auch Wald- und Schotterwege nutzen will, kann mit einem Gravelbike beide Einsatzbereiche abdecken.
Das macht die Kategorie insbesondere für Einsteiger interessant, die nicht unbedingt mehrere Fahrräder kaufen möchten.
Warum der Trend 2026 weitergehen könnte
Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass Gravelbikes auch 2026 und darüber hinaus eine wichtige Kategorie bleiben:
1. Vielseitigkeit: Ein Gravelbike lässt sich auf Straße und unbefestigten Wegen einsetzen.
2. Sportlicher Charakter: Die Räder sprechen Menschen an, die sportlich fahren möchten, ohne ausschließlich Rennrad fahren zu wollen.
3. Große Preisauswahl: Das Angebot reicht mittlerweile von günstigen Einstiegsmodellen bis zu hochwertigen Carbonrädern.
4. Bikepacking und Touren: Gravelbikes eignen sich gut für längere Touren und Bikepacking.
5. E-Gravel: Auch elektrisch unterstützte Varianten entwickeln sich weiter.
6. Neue Zielgruppen: Die Kategorie spricht nicht nur klassische Radsportler, sondern auch Alltags- und Freizeitradler an.
Ist der Gravelbike-Boom wirklich ein Boom?
Die Zahlen sprechen eindeutig dafür, dass Gravelbikes zu den Gewinnern des Fahrradmarktes gehören.
Ein Anstieg des Marktanteils von 6,5 Prozent auf 10 Prozent innerhalb eines Jahres ist erheblich. Gleichzeitig gehören Gravelbikes inzwischen zu den drei wichtigsten Modellgruppen im klassischen Fahrradsegment. MTB-News.de
Allerdings sollte man zwischen Marktanteil und absoluten Verkaufszahlen unterscheiden. Der Gesamtmarkt befindet sich weiterhin in einer Konsolidierungsphase. Ein steigender Anteil bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jedes Jahr deutlich mehr Gravelbikes verkauft werden.
Entscheidend ist vielmehr: Gravel gewinnt Marktanteile, während andere Fahrradkategorien an Bedeutung verlieren.
Fazit: Gravelbike ist 2026 mehr als ein kurzfristiger Trend
Der Gravelbike-Boom lässt sich inzwischen eindeutig mit Zahlen belegen. 2025 erreichten Gravelbikes einen Marktanteil von 10 Prozent im klassischen Fahrradsegment. 2024 waren es erst 6,5 Prozent.
Damit liegen Gravelbikes inzwischen vor Rennrädern, Mountainbikes, Jugendrädern und ATBs. Gleichzeitig gewinnt das Segment 2026 auch im mittleren und niedrigeren Preisbereich weiter an Bedeutung. ZIV – Die Fahrradindustrie
Bei den E-Bikes ist Gravel mit rund 1,5 Prozent noch eine kleine Kategorie. Auch dort zeigt die Entwicklung aber nach oben.
Der Gravelbike-Boom ist daher nicht nur ein Marketingtrend. Die Marktstatistiken zeigen, dass sich Gravel dauerhaft als eigenständige und bedeutende Fahrradkategorie etabliert hat. Gerade die Kombination aus Sportlichkeit, Alltagstauglichkeit und Geländefähigkeit dürfte dafür sorgen, dass Gravelbikes auch 2026 und in den kommenden Jahren zu den interessantesten Segmenten des Fahrradmarktes gehören.