
Kaum ein Mobilitätsangebot hat sich in deutschen Unternehmen so schnell etabliert wie das Dienstrad. Was vor wenigen Jahren noch ein Nischenthema für wenige Großkonzerne war, gehört heute für viele Beschäftigte zum selbstverständlichen Gehaltspaket. Doch wie groß ist der Markt inzwischen wirklich, wie stark schlägt die konjunkturelle Zurückhaltung durch – und wie viel lässt sich beim Leasing gegenüber dem Direktkauf tatsächlich sparen? Ein Überblick über die aktuellen Zahlen.
Der Markt in Zahlen: Über zwei Millionen Diensträder
Nach Angaben des European Cyclists‘ Federation (ECF) liegt der Gesamtbestand an geleasten Fahrrädern und E-Bikes in Deutschland aktuell bei rund 2,1 Millionen Stück. Seit 2019 wuchs die Zahl der geleasten Räder demnach jährlich um durchschnittlich 30 Prozent – ein bemerkenswertes Tempo, das Deutschland zum europäischen Vorreiter beim sogenannten Company-Bike-Leasing gemacht hat. Ende 2024 boten bereits knapp 270.000 öffentliche und private Organisationen ihren Beschäftigten Zugang zu einem Dienstrad-Leasing-Modell an.
Besonders auffällig: E-Bikes dominieren den Markt klar. Rund 78 Prozent der Beschäftigten, die ein Dienstrad leasen, entscheiden sich für ein elektrisch unterstütztes Modell statt für ein klassisches Fahrrad.
2025: Erstmals ein leichter Rückgang
Nach Jahren rasanten Wachstums zeigt sich der Markt inzwischen konjunkturell angeschlagen. Laut der im März 2026 veröffentlichten Dienstradleasing-Studie von Deloitte und dem Wirtschaftsverband Zukunft Fahrrad ging der Marktumsatz 2025 bereits das zweite Jahr in Folge zurück: Er lag bei rund 2,8 Milliarden Euro, ein Minus von etwa 4 Prozent gegenüber den 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2024.
Auch die Zahl der neu geleasten Fahrräder sank: Mit rund 720.000 neuen Diensträdern lag sie 2025 etwa 30.000 bzw. 5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Studienautoren führen den Rückgang vor allem auf das schwierige gesamtwirtschaftliche Umfeld zurück, in dem Unternehmen und Beschäftigte bei größeren Anschaffungen zurückhaltender agieren.
Trotz des Rückgangs bleibt die Marktdynamik im internationalen Vergleich bemerkenswert: Neun Leasing-Anbieter, die zusammen rund 85 Prozent des deutschen Marktes abdecken, meldeten im gleichen Zeitraum immerhin noch ein Wachstum von 21 Prozent bei bestimmten Kennzahlen, was zeigt, dass der Markt insgesamt auf hohem Niveau bleibt, auch wenn das rasante Wachstum der Vorjahre vorerst vorbei ist. Wasilis von Rauch, CEO von Zukunft Fahrrad, bringt es auf den Punkt: Der Leasingmarkt pendele sich nach dem rasanten Wachstum auf einem hohen, im internationalen Vergleich weiterhin einmaligen Niveau ein.
Immerhin: Trotz der Marktsättigung entschieden sich 2025 mehr als 60.000 Arbeitgeber neu dafür, Dienstrad-Leasing überhaupt erstmals anzubieten.
Wer least, kauft hochwertiger ein
Ein interessanter Nebeneffekt des Leasingmodells zeigt sich bei den Durchschnittspreisen. Über den Arbeitgeber geleaste E-Bikes kosteten 2025 im Schnitt rund 3.700 Euro, klassische geleaste Fahrräder etwa 2.660 Euro. Das liegt spürbar über dem, was Privatkäuferinnen und -käufer im Durchschnitt für ein direkt gekauftes Rad ausgeben. Der Grund: Da die monatliche Belastung durch die steuerlichen Vorteile vergleichsweise gering ausfällt, greifen Leasing-Kundinnen und -Kunden eher zu hochwertigeren Modellen.
Auch der stationäre Fachhandel profitiert überdurchschnittlich vom Leasingmodell: 86 Prozent der geleasten Räder wurden 2025 im stationären Handel gekauft, bei direkt erworbenen Rädern lag der Anteil bei lediglich 69 Prozent. Beratung und Service vor Ort spielen beim Leasing demnach eine deutlich größere Rolle.
Anbieterlandschaft: Wenige große Namen dominieren
Der deutsche Dienstradleasing-Markt wird von einer überschaubaren Zahl etablierter Anbieter geprägt. Firmen wie Bikeleasing, JobRad, Businessbike, Eurorad und Kazenmaier Leasing wickeln zusammen rund 85 Prozent aller Leasingverträge ab. Die Beschäftigtenzahlen bei diesen Anbietern stiegen 2025 zwar noch leicht auf rund 2.100 Personen, mehrere Unternehmen kündigten jedoch bereits Stellenkürzungen an, was für 2026 auf einen möglichen Rückgang der Branchenbeschäftigung hindeutet und die konjunkturelle Abkühlung des Marktes unterstreicht.
Wie funktioniert die Ersparnis beim Dienstrad-Leasing?
Der finanzielle Vorteil eines Dienstrads basiert in den meisten Fällen auf dem Modell der Gehaltsumwandlung: Der Arbeitgeber least das Fahrrad, die monatliche Leasingrate wird direkt vom Bruttogehalt der beziehungsweise des Beschäftigten abgezogen. Dadurch fällt auf diesen Betrag keine Lohnsteuer an, und bis zur Beitragsbemessungsgrenze entfallen zudem die Sozialversicherungsbeiträge. In der Praxis bedeutet das: Wer eine Leasingrate von beispielsweise 90 Euro sieht, zahlt netto oft nur 40 bis 50 Euro, da der Rest über die Steuer- und Abgabenersparnis finanziert wird.
Seit 2019 gilt für Diensträder zudem eine besonders günstige Versteuerung des geldwerten Vorteils: Es müssen lediglich 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises monatlich versteuert werden, deutlich weniger als bei vielen anderen Sachleistungen.
Ein zweites, für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch attraktiveres Modell ist das sogenannte Arbeitgeber-Modell beziehungsweise Gehaltsextra: Übernimmt der Arbeitgeber die Leasingrate zusätzlich zum bestehenden Gehalt, bleibt das Dienstrad nach Paragraf 3 Nr. 37 Einkommensteuergesetz vollständig lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei. In diesem Fall entfällt sogar die Versteuerung des geldwerten Vorteils, und für die Beschäftigten entstehen faktisch keine direkten Kosten.
Nach Ablauf der typischen Leasingdauer von 36 Monaten haben die meisten Nutzerinnen und Nutzer zudem die Möglichkeit, das Rad zu einem pauschalen Restwert von rund 18 Prozent des ursprünglichen Bruttolistenpreises zu übernehmen. Wer sein Dienstrad also über die Laufzeit hinaus behalten möchte, kann es meist deutlich unter dem eigentlichen Marktwert erwerben.
Fazit
Das Dienstrad-Leasing hat sich in Deutschland innerhalb weniger Jahre von einem Nischenmodell zu einer festen Größe der Unternehmensmobilität entwickelt, mit über zwei Millionen geleasten Rädern und Zehntausenden teilnehmenden Arbeitgebern. Nach Jahren zweistelligen Wachstums zeigt der Markt 2025 zwar erstmals eine spürbare Abkühlung, was Umsatz und Neuverträge angeht. Für Beschäftigte bleibt das Modell durch die Kombination aus Gehaltsumwandlung, günstiger 0,25-Prozent-Versteuerung und teils vollständiger Steuerfreiheit beim Arbeitgeber-Modell aber weiterhin eine der attraktivsten Möglichkeiten, sich ein hochwertiges Fahrrad oder E-Bike deutlich günstiger als beim Direktkauf zu sichern.
Quellen
- Deloitte Deutschland: Dienstradleasing unter Druck, aber widerstandsfähig
- Zukunft Fahrrad / Deloitte: Der deutsche Dienstradleasing-Markt (Studie, PDF)
- SAZbike: Dienstradleasing unter Druck
- BIKE Magazin: Dienstrad-Leasing: 30 Prozent mehr Diensträder in Deutschland
- Messe Frankfurt Automotive: Dienstradleasing: Gamechanger für urbane Mobilität
- Deutschland-Rechner: JobRad- & Dienstrad-Rechner 2026